Unterschied: Show- und Jagdlinie
21
Jan
2010

Gibt es einen Unterschied zwischen einem "Feld-Hund" und einem "Show-Hund"?
Trifft es zu und wenn ja, was ist der Unterschied?
Gibt es einen physischen Unterschied oder ist es ein reiner Temperaments-Unterschied?
Oft ist es so, dass diese zwei Lager absolut nichts voneinander wissen wollen. Da jedoch der Genpool des Weimaraners so begrenzt ist, müssen die beiden Gruppen miteinander agieren, um den Charakter der Rasse zu bewahren.
Viele Anhänger des "Feld"-typen schwören, dass der Show-Weimaraner nur gut aussieht. Fakt ist jedoch, dass der Showhund, wenn der Charakter der Rasse bewahrt wurde, durchaus ein ausgezeichneter Jäger sein kann, was man an den vielen Dual-Champions (DC) gerade in den USA sieht.
Oft sind in einem Wurf, selbst wenn alle physisch korrekt sind, einige Welpen besser zur Jagd geeeignet als andere. Aber obgleich Körperbau und Grösse den Welpen als zukünftig guten Jagdhund qualifizieren würden, zieht der Züchter nicht selten eine Karriere im Showring für den Hund vor, weil das Wesen des Hundes mehr in diese Richtung neigt und/oder der Züchter den Hund nicht den in der Jagd lauernden Gefahren aussetzen will.
Der Showring ist nicht mehr und nicht weniger, als dass ein specieller Hund anhand seines Rassestandards beurteilt wird.
Im Fall des Weimaraners, betrachtet der Ringrichter den Hund auf eine besondere Weise und beurteilt, ob der ausgestellte Hund wirklich dazu geeignet ist den ganzen Tag mit seinem Hundeführer zu jagen.
Mangelndes Verständnis für das, was ein guter Ringrichter eigentlich für eine Rasse tut, ist bei vielen Menschen der Fall.
Oft beschweren sich Jäger/Hundeführer von Weimaranern aus jagdlicher Zucht über private Homepages, insbesondere über die aus den USA stammenden, die den erfolgreichen Show-Weimaraner präsentieren.
Ich glaube nicht, dass sie die Seiten näher betrachtet haben. Die meisten Homepages ziehen doch sowohl die Geschichte des Weimaraners und seine jagdlichen Qualitäten mit ins Bild.
Viele der Showdog-Kritiker meinen, dass einzige, was ein arbeitender Jagdhund für die Feldarbeit haben muss ist jagdliches Talent, die korrekte Physik sei eher nebensächlich.
Dabei wird der Rassestandard ignoriert oder sein Rang im Zuchtprogramm unterbewertet.
Wenn ich mir diese Hunde anschaue, werde ich wehmütig, da die Deutschen ursprünglich nicht im Sinne hatten, dass der Weimaraner kurz und "massig" aussehen sollte mit grossen breiten Brustkästen und viereckigen Köpfen.
Einige Züchter gehen sogar nach dem "Labradorlook" mit einer kürzeren Schnauze und einem quadratischen Kopf.
Der erfolgreiche Show-Hund spiegelt den modernen Weimaraner, wie er im Rassestandard beschrieben wird, wieder.
Seine Rippen sind lang und gut gefederten;
die Ellenbogen sitzen dicht an den Seiten;
der Hals sitzt gut zurückgelagert auf den Schultern und ist moderat lang;
die Rückenlinie vom Hals bis zur Rute ist gerade ohne Stop auf den Schultern;
die Rute ist hoch angesetzt ohne "dropoff" im Lendenbereich;
die Hinterläufe sind gut gewinkelt mit ordentlichen Beinstämmen;
der Hund geht eher auf seinen Zehen, als auf den Ballen;
die Schnauze ist moderat lang mit gut ausgeformten Lefzen;
der Schädel hat eine abgerundete Form - schmaler, als beim Labrador;
die Schultern sind im 45-Grad-Winkel gelagert, sodass der Weimaraner seinen Kopf ohne Verhinderung heben kann um zu spähen;
die Augen sitzen nicht weit von einander;
die Ohrbehänge reichen bis zu den Seiten der Nasenlöcher, wenn sie in diese Richtung gezogen werden;
wenn sich der Hund von einer Stelle fortbewegt, sollte er keinen Passgang wählen;
er sollte keine oder nur geringe weisse Abzeichen am Körper aufweisen.
Oft gibt es grosse Unterschiede im Aussehen des Feld-Weimaraner im Vergleich zum Show-Weimaraner. Show-Weimaraner können in der Regel für die Feldarbeit ausgebildet und erfolgreich werden, wohingegen ein arbeitender Weimaraner in vielen Fällen keine Punkte im Ring sammeln kann. In einer nicht so fernen Vergangenheit, haben Ringrichter sogar Bänder im Ring zurückgehalten, da die ausgestellten Weimaraner in der Gebrauchshundeklasse nicht dem Rassestandard entsprachen und sie die einzigen ausgestellten Hunde im Weimaranerring an diesem Tag waren. Es gibt ein Programm, dass vom Weimaraner Club of America unterstützt wird, welches "Dual Champion Award" (DC) genannt wird.
Es gibt dem Hund Anerkennung, der physisch völlig korrekt ist und dem Rassestandard entspricht, aber auch ein ausgezeichneter Jagdhund ist und ein CH. und ein FLD.CH. erreicht.
Dieses Programm wird auch immer populärer, da die meisten Show Anhänger sehr daran interessiert sind, auch ausserhalb des Rings mit ihren Hunden zu konkurrieren.
Es gibt eine Vielzahl von Jagdprüfungen neben den AKC Brauchbarkeitsprüfungen. Diese umfassen zB. WCA ratings,AKC JH (Junior Hunter), SH (Senior Hunter) und MH (Master Hunter) Titel, die alle vom Nordamerikanischen Versatile Hunting Dog Association (NAVHDA) ausgestellt werden.
Originaltext
2007 WEIMARANER OF THE YEAR and Show Dog Of The YearAust Gr Ch Divani Just A Dash (The Weimaraner Club of New South Wales/Australia)![]() |

Der foldende Text handelt nicht um den Weimaraner im Speziellen, nein, man könnte vielmehr sagen (meine persönliche Meinung), dass Geoffrey A. English am Beispiel des Labrador Retrievers den Jagdhund im Allgemeinen beschreibt.
Der Bericht ist äusserst interessant und lesenswert!
Viel Spass!
Von Geoffrey A. English
Im letzten Winter habe ich an einer Reihe Jagdprüfungen im ganzen Nordosten teilgenommen, wo ich zahlreiche ”Waterdog Retrieving Demonstrations” vorführte, die die Vielseitigkeit des Englischen Springer Spaniel und Labrador Retrievers demonstrieren sollten.
Was mich wunderte - während ich mit ganz normalen Jägern spreche - war nicht, dass diese unwissend über die Vielseitigkeit des Springer Spaniel oder Labrador Retriever waren, nein vielmehr, dass diese nicht wussten, dass es Unterschiede zwischen einem Show- und einem Field-Jagdhund gibt.
Im Laufe der Vorführung war ich sehr verwundert über die geringe Anzahl an Jägern, die ein wenig, wenn überhaupt, Einblick in die Qualitäten hatten, die die Zucht von weltklasse Jagdhunden ausmacht.
Unter 10tausenden von Jägern, die ich im Verlaufe solcher Veranstaltungen traf, möchte ich schätzen, dass mehr als 70% von diesen Leuten nicht wussten, dass ein solcher Unterschied überhaupt existiert.
Frage ich die selben Personen, welche Art von Monition oder welches Kaliber man für die Jagd auf ein bestimmtes Stück Wild oder Geflügel wählen sollte, könnten diese mit Leichtigkeit die Vor- und Nachteile von jedem Einzelnen herunter leiern.
Also warum haben diese Personen so grosses Wissen, die richtige Waffe und Monition zu wählen, aber nicht das geringste Schimmer den passenden vierbeinigen Jagdkammeraden zu wählen?
Die Antwort ist mangelnde Schulung über den Unterschied zwischen Show und Field-gezüchteten Jagdhunden.
Waffenfabrikanten investieren jährlich einen Haufen Geld, um Jäger darin zu schulen, warum gerade dieses bestimmte Waffenmodel oder jene Marke besser zur Jagd auf ihr bevorzugtes Wild geeignet sein soll.
Aber wenn wir mit Züchtern über die Wahl des passenden Jagdgefährten sprechen, dann bekommen wir nur die Antwort:" Meine Hunde sind zur Jagd gezüchtet!"
Und das ist einfach nicht genug!
Hier fällt mir ein Satz ein, der mir in der Handelsschule eingeprägt wurde: "caveat emptor", frei übersetzt "der Käufer möge sich hüten!".
Für mehr als ein halbes Jahrhundert, sind die Jagdhunderassen in 2 Lager gespalten, wenn es um Qualitäten geht, die von professionellen Züchtern nachgefragt werden.
Bei den meisten Jagdhunderassen, ist der "Dual-Champion" - ein Championtitel für einen Hund, der sowohl einen Ch. im Showring, als auch bei Jagdprüfungen erlangt - schwerer und schwerer zu erreichen.
Der letzte Labrador Retriever, der einen doppelten Championtitel im Jahre 1984 erreichte war Ch-FC/AFC Highwood Shadow, gew. von FC/AFC Highwood Piper.
Laut 2001 AKC Report haben nur 26 Show-Champion Labrador Retriever einen MH (Master Hunter) errungen. Der erste Lab, der dies erlangte war Ch. Topform Edward,MH, der von Larry Reider aus Independence, Missouri gehalten und von Bobby George von "Blackwater Retrievers" in Warrensburg, Missouri trainiert wurde.
Warum, werdet Ihr vielleicht fragen?
Es ist weil beide Bereiche in den letzten Jahren so konkurrierend geworden sind, dass Züchter von sowohl Show- als auch arbeitenden Jagdhunden, um wettbewerbsfähig zu bleiben, besondere Rasseeigenschaften, die sie in ihrer Zucht hervorheben, verändert haben.
Um im Field-Bereich Erfolg zu haben, müssen professionelle Züchter auf Rasseeigenschaften fokussieren, die an einem typischen Jagdtag bei einem zuverlässigen Jagdgefährten sehr erwünscht sind.
Im Gegensatz dazu müssen Show-Hunde-Züchter auf Züge bedacht sein, die etwas mit dem Körperbau und der Struktur zu tun haben.
Ich habe einmal einen Herren es fein zusammenfassen hören:
"Ein Field-Züchter produziert Athleten und ein Show-Züchter produziert Models".
Champion Show- oder Schönheitsrassen müssen einem strengen Rassestandard entsprechen und sind daher beinahe perfekte physische Exemplare. Laut Rassestandard müssen männliche Show-Labrador Retriever eine Schulterhöhe von 22 ½ bis 24 ½ inches haben und Hündinnen 21 ½ til 23 ½ inches. Rüden in der Gebrauchshundeklasse und Arbeitskondition dürfen ca. 65 - 80 pounds wiegen und Hündinnen 55 - 70 pound.
Generell soll der Körper des Show-Labrador Retriever nicht länger als seine Schulterhöhe sein, so dass sie optisch ausbalanciert sind.
Ihr Schädel soll breit, gut ausgebildet, aber ohne Übertriebenheit (ein blockförmiges Aussehen). Die Oberlippe des Show-Labrador Retrievers' soll nicht quadratisch oder hängend sein, sondern in einem Bogen weg zum Hals abfallen.
Ihre Augen sollten von mittlerer Grösse sein, in gutem Abstand von einander und weder hervorspringend oder tiefliegend.
Ihre Augenlieder sollen stramm und mit geringen oder gar keinen Wimpern versehen sein.
Im Gegensatz zur Zucht von Showhunden, haben die letzten 30 Jahre in der Zucht von Fieldhunden dazu geführt, dass der arbeitende Labrador Retriever völlig anders aussieht, als sein Bruder der Show-Labrador.
Allein die beiden Typen nebeneinander abzulegen und dann zu betrachten, kann eine Schulung in sich sein.
Das physische Make-up des arbeitenden Labrador Retriever ist "Athletik und viel Funktion" für die Feldarbeit. Sie haben eine Tendenz dazu sowohl in Grösse, als auch in der Struktur zu variieren. Dem gewöhnlichen Jäger würden die Unterschiede zwischen Show und Field sofort klar werden, würde er nur an einer Ausstellung teilnehmen. Die beiden Veranstaltungen (Hundeausstellung und Jagdprüfungen) könnten nicht verschiedener sein und ebenso sind die Hunde, die hier konkurrieren.
Während der Jagdprüfungen wird einem sofort klar, dass hier nicht das physische Aussehen beurteilt wird. Hier wird im Vergleich zu anderen Hunden die Präsentation auf dem Felde beurteilt. Im Gegensatz hierzu werden Hunde im Showring anhand des Rassestandard beurteilt, nicht aufgrund ihrer jagdlichen Leistungen oder Führbarkeit.
Die letzten Jahre war ich in der glücklichen Lage an zahlreichen Field Trial Championships teilnehmen zu dürfen und sah einige der besten Hunde der Welt um den englischen und amerikanischen Championtitel wettstreiten.
Jagdprüfungen sind dazu entstanden Züchtern eine Chance anzubieten geeignetes Zuchtmaterial zu finden, mit dem Ziel die arbeitenden Jagdhunderassen durch selektive Zucht zu verbessern. Auf diesen sogenannten Jagdprüfungen können Züchter mit ihren Hunden gegen andere wettstreiten und gesunde Zuchtprogramme beschliessen, die die Zukunft der jagenden Rassen beeinflussen. Renommierte Züchter sind immer auf der Suche nach neuen Methoden zur Verbesserung von Schwächen in ihrem Zuchtprogramm.
Jeder Hund hat eine Form von Schwachstelle, egal welche und wieviele Titel er oder sie hat, egal ob es Schweissarbeit, Nachsuche oder Verlorenbringen, seine Intelligenz, Führbarkeit oder Körperbau ist. Es gibt immer Bereiche, die verbessert werden können und Jagdprüfungen bieten Züchtern die beste Möglichkeit Stärken oder Schwächen zu evaluieren und geeignete Zuchthunde für die nächsten Generationen zu finden.
Im laufe der Jahre hat selektive Zucht ihre Arbeit getan und dazu geführt, dass wir heute 2 Typen von Jagdhunden haben - den FIELD- und den SHOWjagdhund, jeder auf seine Weise der allerbeste seiner Disziplin!
Wenn Kunden einen Züchter der arbeitenden Jagdhunde fragen, ob ihre Hunde im Showring laufen können, wäre es glattweg ein Fehler dies zu bejahen.
Das selbe kann für Züchter des Showhundes gelten, wenn sie gefragt werden, ob ihre Hunde auch bei Jagdprüfungen konkurrieren können.
Aber ohne ordentliche Schulung würde ein gewöhnlicher Jäger seinen nächsten Jagdgefährten ausschliesslich nach Rassenamen kaufen und mit einem Hund dastehen, der genauso viel Jagdtalent hat, wie ein Miniatur Schnauzer.
Erinnere Dich immer an den Satz, den mein Handelschulprofessor immer wieder in unsere Schädel einzugravieren versuchte:
"caveat emptor" - sei ein aufmerksamer Käufer!
Geoffrey A. English ist Herausgeber und Redakteur von "Gun Dogs Online", dem Internet Premiere Online Magazin für Jagdhundeenthusiasten.
Geoffrey hat Labrador Retriever und Engelish Springer Spaniel seit über 10 Jahren gezüchtet und ausgebildet und hat mit beiden Rassen erfolgreich Titel auf AKC Field Events erlangt.
Originaltext
Zwei unterschiedliche Meinungen über die Einsatzfähigkeit der Show-Hunde, aber eine eindeutige Aussage, dass es den Unterschied zwischen diesen 2 Zuchtlinien gibt.
Für den Weimaraner gilt allerdings hier in Europa: Die reine Showlinie hat sich bisher nicht etablieren können. Ob dies ein Nachteil oder doch eher ein Vorteil für die Rasse des Weimaraners ist, sei dahin gestellt.
In den USA allerdings erfreut sich der Weimaraner in Nichtjägerhänden zunehmender Beliebtheit.
Kehrseite der Medaille - Steigende Anzahl an Weimaraner in Tierheimen und Rescuestellen...
Der Weimaraner ist und bleibt doch (trotz zweier Zuchtlinien) ein specieller und höchst anspruchsvoller Jagdhund mit Trieb!!!
Für den Weimaraner gilt allerdings hier in Europa: Die reine Showlinie hat sich bisher nicht etablieren können. Ob dies ein Nachteil oder doch eher ein Vorteil für die Rasse des Weimaraners ist, sei dahin gestellt.
In den USA allerdings erfreut sich der Weimaraner in Nichtjägerhänden zunehmender Beliebtheit.
Kehrseite der Medaille - Steigende Anzahl an Weimaraner in Tierheimen und Rescuestellen...
Der Weimaraner ist und bleibt doch (trotz zweier Zuchtlinien) ein specieller und höchst anspruchsvoller Jagdhund mit Trieb!!!
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Kommentare
Mein Rüde z.B. stammt aus einer sogen. Showlinie, er hat für die Zuchttauglichke it ein Jagddiplom in Polen abgel. in Deutschland wird er vom WK nicht als Deckrüde anerkannt, obwohl er sonst in ganz Europa vom FCI her decken darf. Die Begründung: Es fehlt die Jagd an lebender Ente. Dazu verweise ich auf folgenden Artikel:http://www.vogelschutz-komitee.com/Entenjagd.pdf Meiner Meinung nach sollte entlich eine Zucht von Form - u. Arbeitslinien gest. werden.
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