Dasha - D wie Diva
Vor 4 Jahren, als mein Freund kurz vor der Altersteilzeit stand, fiel die Entscheidung einen Hund zu uns zu holen.
Wir beide waren nicht ganz hundeunerfahren. Mein Freund züchtete vor 20 Jahren Boxer und ich bin mit Schäferhunden aufgewachsen. Mein Vater war bei der Polizeihundestaffel und führte dort mehrere Schäferhunde.
Nun sollte es ein Hund mit kurzem Haar sein und einer gewissen Größe. Auch wollten wir einen haben, vor dem unsere Mitmenschen nicht gleich eine Angstattacke bekommen. Ein gewisser Schutztrieb (Verteidigung von Haus und Mensch) war uns aber auch nicht unwichtig.
Also saßen wir monatelang über Rassebüchern und durchstöberten das Internet nach einer geeigneten Rasse.
Als wir uns dann mit dem Weimaraner beschäftigten, kamen wir zu dem Entschluss, dass diese Rasse zu uns passen würde.
Wir versuchten über verschiedene Quellen (Weimaranerclub, Internet) an einen Weimaraner mit VDH bzw. FCI-Papieren heranzukommen. Dies gestaltete sich allerdings äußerst schwierig, da die meisten Züchter in Deutschland Welpen nur in Jägerhände abgeben.

Daher schauten wir ins Ausland und stießen auf den FCI-Kennel Sirius Nova in der Tschechei.
Nach dem wir uns der Züchterin vorgestellt hatten, wurden wir auf die Warteliste gesetzt und ca. 3 Monate später erhielten wir endlich den ersehnten Anruf.
Wir fuhren in die Tschechei und besuchten die Züchterin, Hundemutter, Hundevater und die Welpen. Unsere Wahl stand schon bald fest - wir suchten uns die frechste Hündin
( Dasha d´blue love ) aus dem D-Wurf aus.

Ein paar Wochen später holten wir dann unsere Dasha ab.
Ich saß im Auto hinten und Dasha eingerollt neben mir bzw. auf meinem Schoß.Bald merkten wir was wir uns da tatsächlich ins Haus geholt hatten - ein graues Energiebündel - einen Nimmersatt.
Noch keine 2 Tage im Haus, wollte die Kleine nicht mehr alleine schlafen - nein, das Bett musste es sein. Aber nicht auf der Decke, nein, nein, unter der Decke ganz eng an uns Menschen gekuschelt - so wollte unser Hund schlafen. Es dauerte nicht lange und wir gaben nach - bis heute.

Von Anfang an besuchten wir eine Hundeschule. Es war nicht immer ganz einfach mit ihr.

Ihre Sturheit ist enorm und bedarf sehr viel Geduld. Jegliche Härte bestraft sie mit Sturheit - dann geht gar nichts mehr. Aber wir haben es geschafft. Die Begleithundeprüfung, die wir mit 18 Monaten ablegten bestand sie problemlos. Im Mai 2010 legten wir die erste Fährtenprüfung mit ihr ab und erzielten 94 Punkte (sehr gut). Wir waren stolz auf sie.
Zweimal pro Woche trainieren wir mit ihr (Unterordnung und Fährte) auf dem Hundeplatz.
Ständig müssen wir uns neue Tricks einfallen lassen, damit sie sich nicht langweilt. Das äußert sich dann durch bocken, Befehlsverweigerung, Ungehorsam, hinter einem hergehen, neben der Fährte gehen, Gegenstände werden dann nicht mehr verwiesen etc., etc.….- sie ist da sehr einfallsreich.
Spielzeug ist nur interessant, wenn es neu ist - spielen mit immer demselben Ball findet sie langweilig. Stures bei Fuß gehen und stupide Ablaufprozedere öden sie an - also sind wir gefragt, ihr immer etwas Spannendes zu bieten, was nicht immer einfach ist.

Rückfälle gab es natürlich auch - dass bestimmte Übungen, die wunderbar geklappt haben, plötzlich nicht mehr funktionierten - also mussten wir wieder von vorne anfangen.
Dank Leckerlis und dem längeren Atem klappte es dann aber doch.
Mein Freund geht jeden Morgen und Abend mit ihr für je 1,5 Stunden raus.
Da wir auf dem Dorf wohnen sind Felder, Wiesen und Wald nicht weit.
Außerhalb der Ortschaft darf sie frei laufen und mit dem ansässigen Jäger haben wir ein sehr gutes Verhältnis.
Wenn es mit dem Auto rausgeht, wir einen Feldweg reinfahren und Dasha der Meinung ist, dass diese Gegend ideal ist, fängt sie lautstark an, sich in ihrer Box zu melden.
Auch beim Spazierengehen müssen wir kreativ sein - immer die gleichen Strecken findet sie langweilig. Sie erinnert sich noch Monate später daran, welcher Weg gegangen wurde und wo Wild war.
Daher suchen wir immer wieder andere Strecken aus. Mal sind es Moorgebiete, mal geht es ins nahe Gebirge, mal an Seen.
Nach diesen ausgiebigen Spaziergängen, querfeldein über Stock und Stein mit zusätzlichen Versteckspielen (Personen, Gegenständen) oder Apportierspielen haben wir dann am Abend einen zufriedenen Hund.
Wenn Gartenarbeit ansteht will Dasha gerne mithelfen. Wird umgegraben, gräbt sie ein Stück weiter ein Loch, wird Holz gemacht, trägt sie das Holz durch die Gegend.
Also lassen wir sie das Holz aufsammeln und in den Korb legen.

Da wir viel reisen, brauchen wir einen sozial verträglichen Hund. Wir nehmen unsere Dasha grundsätzlich mit. Im Sommer vereisen wir mit dem Wohnwagen z. Bsp. nach Frankreich, Spanien oder Italien.
Im Winter sind wir bisher mit ihr auf Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote gewesen.
Der Flug ist überhaupt kein Problem für sie. Die Flugbox haben wir ständig im Auto.
Wir hatten noch nirgendwo mit ihr Probleme.

Dashas Jagdtrieb ist sehr ausgeprägt, doch haben wir diesen (so glauben wir) gut im Griff. Da sie sehr führerbezogen ist, kommt sie zügig, wenn man nach ihr ruft. Sie lässt sich, auch wenn sie Wild hinterhergeht, abrufen. Falls das passiert ändern wir sofort die Richtung, rufen sie ab und verstecken uns, sofern sie uns nicht sofort folgt. Sie kommt dann spurlaut angerannt.
Im Wald ist sie an der langen Schleppleine und darf auch Spuren aufnehmen. Das tut sie mit einer Hingabe und würde es bis zum Umfallen tun.
Dasha´s Wesen:
Dasha ist sehr schmusig, sehr führerbezogen, teilweise stur, sehr fordernd. Fremden gegenüber ist sie misstrauisch, nach dem Kennenlernen aber sehr verträglich, verteidigt ihr Auto, ihren Wohnwagen und auch den Stellplatz. Letzteres hat sich erst in den letzten 6 Monaten ausgeprägt entwickelt.Jegliche Änderungen im Haus und im Garten werden bemerkt und teilweise auch lautstark verbellt. Wenn sich Gelände, welches sie kennt verändert / wurde, also wenn z. Bsp. ein Auto mitten in der „Pampa“ an einer Stelle geparkt wurde, wo noch nie zuvor ein Auto stand, so wird dieses auch verbellt.
Kleinkinder mag sie nicht allzu sehr, die sind ihr zu hektisch.
Mein Fazit:
Wir würden uns jederzeit wieder für die Rasse Weimaraner entscheiden, waren uns aber nicht klar darüber was tatsächlich auf uns zukommt. Diese Rasse ist sehr liebenswert, aber nur wenn die Tiere artgerecht gehalten werden, ansonsten hat man einen grauen Teufel, der das komplette Haus auf den Kopf stellt und die Besitzer terrorisiert.
Aktivität, Kreativität und Beschäftigungen sind gefragt.
Gassi gehen und Ball spielen allein reichen bei weitem nicht aus.
Der Weimaraner denkt mit!!!
Persönliche Meinung und Erfahrung von Sabine Steinhart (11. Juni 2010)
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